Brüssel, 26.10. 2017: Abgemagert bis auf die Knochen steht sie vor dem Gebäude der EU-Kommission inmitten von Milchpulverbergen – die Milchkuh, die die europäischen Bürger mit ihrer Milch versorgt. Um sie herum wehen die Flaggen zahlreicher europäischer Länder, gehalten von den Bäuerinnen und Bauern, die diese Milch täglich melken. Auch sie gebeutelt von den stetig wiederkehrenden Milchkrisen. Trotz aktuell höherer Butterpreise befindet sich der Milchsektor in einem chronisch schlechten Zustand, da ein Mechanismus zum Abwehren von Krisen in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) fehlt.
Die Krisenhäufigkeit im Sektor ist alarmierend und hat in den vergangenen Jahren nicht allein zur Aufgabe vieler Betriebe, sondern zudem zur starken Destabilisierung bestehender Höfe geführt. Wie Sieta van Keimpema, die Vizepräsidentin des European Milk Board (EMB), berichtet, gehen erzwungene Einsparungen nicht selten auf Kosten der Tierfürsorge – Stichwort Lebensdauer – sowie der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauern und ihrer Familien. „Es ist ein auszehrendes Geschäft für das letzte Glied in der Milchkette, dem die Politik bis dato keinen Einhalt geboten hat. Die Kosten, die für die Produktion nun mal anfallen, werden durch große Wettbewerbsverzerrungen im Milchmarkt seit Jahren stark unterdeckt“, so van Keimpema.
In einer heute veröffentlichten Studie, welche die Kosten fünf wichtiger Milcherzeugungsländer kalkuliert, ist diese Unterdeckung dokumentiert. Selbst sogenannte "bessere Jahre" konnten dieses Defizit nicht beseitigen: Seit 2012 kommt Frankreich im Durchschnitt auf eine jährliche Unterdeckung von 21 Prozent, die Niederlande auf 23 Prozent, Deutschland auf 22 Prozent sowie Belgien auf 24 und Dänemark auf 17 Prozent.
Details zu dieser internationalen Studie des Büros für Agrarsoziologie finden Sie hier
Um es mit aller Deutlichkeit zu sagen: Die Landwirte fordern keine Subventionen für die Milcherzeugung. Es braucht endlich einen Mechanismus, der den Sektor vor weiteren schwerwiegenden Krisen bewahrt. Der dabei so flexibel ist, dass er das Wachstum des Sektors nicht behindert und auch steigende Nachfragen bedient werden können. Dieser Mechanismus muss in der GAP rechtlich verankert werden. Denn wie die Vergangenheit deutlich zeigt, erfolgen die Reaktionen auf Krisen ohne diese Verankerung zu spät und laufen zudem oft ins Leere.
Konkret geht es darum, die Beobachtungsstelle für den Milchmarkt um einen fest installierten Mechanismus zu ergänzen, mit dem im Krisenfall die Produktion zeitlich befristet begrenzt oder reduziert werden kann.
Mehr zum Krisenmechanismus – dem Marktverantwortungsprogramm – finden Sie hier
Die Ausbeutung im Milchsektor kann eingedämmt und die chronisch mageren und schmerzhaften Zeiten können reduziert werden, wenn zukünftig ein Gesetzesartikel in der GAP freiwillige Mengenreduzierungen in Krisenzeiten nachhaltig regelt.
Kontakte:
EMB-Vizepräsidentin Sieta van Keimpema (EN, NL, DE): + 31 6 12 16 80 00
EMB-Geschäftsführung Silvia Däberitz (DE, EN, FR): +32 (0)2808 1936


