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Corona-Krise: aktuelle Entwicklungen und Situation für MilcherzeugerInnen in Europa

Seit vergangener Woche haben sich neue Entwicklungen aufgrund der Corona-Krise ergeben. Die aktuelle Lage im Milchsektor sehen Sie hier:

 

Videokonferenz EU-Agrarminister (25.03.2020)

Am 25.03.2020 haben sich die EU-Agrarminister per Videokonferenz ausgetauscht. Es wurden verschiedene Vorschläge diskutiert, unter anderem für den Milchbereich auch der Einsatz von Maßnahmen des Sicherheitsnetzes. Dabei wurde auch der freiwillige Lieferverzicht angesprochen, dem einige Länder positiv gegenüber stehen. Laut EU-Agrarkommissar sei es noch zu früh, diesen zu schalten. Man würde die Lage im April erneut bewerten und dann möglicherweise konkrete Maßnahmen schalten.


Marktindikatoren

Im Vergleich zu letzter Woche gab es Entwicklungen bei folgenden wichtigen Indikatoren:

Futures auf Milcherzeugnisse an der European Energy Exchange, EEX (Stand: 26.03.2020)
Die Kurse für Futures auf Milcherzeugnisse an der European Energy Exchange (EEX) geben deutlich nach. Die Kontrakte für Butter sanken per 25. März für Mai beispielsweise auf 3.194 €/t. Mit Stichtag 13. März fielen die Kontrakte bereits um 5,7% auf 3.300 €/t im Vergleich zur Vorwoche.

EU-Magermilchpulverpreis: 228 €/100 kg (Stand: 25.03.2020)
Der Preis für Magermilchpulver sank in der letzten Woche um weitere 5,7% auf 228 €/100 kg. In der Vorwoche war bereits ein Preisabfall von 2,8% zu verzeichnen.

EU-Butterpreis: 349 €/100 kg (Stand: 25.03.2020)
Die Butternotierungen betragen aktuell 349 €/100 kg. Das bedeutet einen Rückgang von 0,3% seit der Woche davor und -16% im Vergleich zum Vorjahr. In der Vorwoche fielen die Preise bereits um 0,2%.

 

 

Situation in den einzelnen Ländern


Italien:

Angesichts der aktuellen Situation blockieren zahlreiche Länder die Einfuhr italienischer Produkte. Zu dieser Blockade kommt die vom italienischen Staat verordnete Schließung von Restaurants, Bars und Kantinen hinzu. Dies hat zu einem starken Absatzrückgang bei kleinen und mittleren Molkereien geführt, die nicht in der Lage sind, die gesamte eingehende Milch zu verarbeiten. Deshalb haben einige Molkereien die italienischen Erzeuger aufgefordert, die Produktion freiwillig zu reduzieren.

Der Preis für Rohmilch verzeichnet einen starken Rückgang und liegt heute unter 30 Cent pro Liter.


Frankreich:

Insbesondere kleinere Molkereien, die frische Milchprodukte mit kurzen Haltbarkeitsdaten (Joghurt, Frischkäse usw.) herstellen, rechnen damit, noch in dieser Woche den Betrieb einstellen zu müssen. Viele frische Produkte mit kurzen oder abgelaufenen Daten, die nicht an Schulen und Verpflegungseinrichtungen geliefert wurden, werden allmählich weggeworfen. Obwohl einige Molkereien ihren Erzeugern mitgeteilt hatten, dass ihre Milch in dieser Woche nicht abgeholt werden könnte, wurden Lösungen geschaffen, damit die Milch von anderen Verarbeitern eingesammelt wird.

In einem Schreiben hat Damien Lacombe, Präsident der französischen Genossenschaft Sodiaal, die Mitglieder informiert, dass sie sich "auf europäischer Ebene für die Aktivierung einer freiwilligen Mengenreduzierung und Maßnahmen zur privaten Lagerhaltung einsetzen." (Schreiben vom 20. März 2020)


Belgien:

Die belgische Vereinigung der Milchindustrie BCZ-CBL hat die belgischen Milcherzeuger am 23. März informiert, dass keine zusätzliche Milch gebraucht wird. Sie ruft zur sozialen Verantwortung jedes Einzelnen auf, die eigene Produktion nicht zu erhöhen.

Deutschland:

Die Bundesregierung hat ein großes finanzielles Hilfspaket mit Zuschüssen und Darlehen beschlossen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Direkt partizipieren die Bäuerinnen und Bauern an diesen Programmen nicht. Die Einreise von Saisonarbeitern wurde am 25. März komplett gestoppt. Daher wurden Internetplattformen installiert, die Studenten und Arbeitskräfte, die in Kurzarbeit bzw. arbeitslos sind, als Ersatzarbeitskräfte für die Landwirtschaft vermittelt.

Landwirtschaft wurde außerdem als systemrelevante Infrastruktur eingestuft, damit hat sie bei Quarantänemaßnahmen und verordneten Betriebsschließungen eine Sonderrolle. Die Produktion kann damit aufrecht erhalten werden. Die Sozialversicherungsträger der Landwirtschaft bieten Zahlungsaufschub an, die Rentenbank zinsvergünstige Darlehen.

Der BDM hat sich an die AgrarministerInnen von Bund und Ländern, Bundeskanzlerin Merkel, die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und EU-Agrarkommissar Wojciechowski in einem Schreiben gewandt. Er fordert Maßnahmen zur zeitlich befristeten Eingrenzung der Milchanlieferung. Molkereien wurden ebenfalls angeschrieben und auf den Handlungsbedarf hingewiesen.

In ihrer Stellungnahme zur Corona-Krise fordert die AbL die Bundesregierung und das Bundeslandwirtschaftsministerium ebenfalls auf, jetzt auf EU-Ebene ausdrücklich darauf hinzuwirken, dass Kriseninstrumente aktiviert werden.


Luxemburg:

Die Milchabholung läuft normal weiter. Schlachtvieh und Kälber gehen noch in den Export, der Preis für das Fleisch ist allerdings gesunken.

Die Nachfrage nach der luxemburgischen fairen Milch D'fair Mëllech ist noch immer groß. Leider kann die Molkerei nicht so schnell einfüllen und verpacken wie die Milch nachgefragt wird.

 Schweiz:Für den Milchsektor wurden noch keine besonderen Maßnahmen ergriffen. Zudem steht die Umsetzung des Parlamentbeschlusses an, dass die Lieferung von billiger B-Milch freiwillig werden soll. Für den Gemüseanbau ist eine Stelle geschaffen worden, die helfen soll, Erntearbeiter zu vermitteln. 

Einige Milcherzeuger, die normalerweise auf Märkten verkaufen, haben kleine Läden auf ihren Höfen eingerichtet. Dieser Direktverkauf funktioniert gut.


Portugal:

Die Milchabholung findet weiterhin normal statt. Im Kuhmilchsektor gab es gelegentlich Probleme in einigen Käsereien, die keinen Absatzmarkt für ihre Produkte haben, da sie zuvor eng mit dem Restaurantsektor zusammengearbeitet haben. Sie haben vorgeschlagen, den Preis drastisch um 30% zu senken! Ziegen- und Schafsmilchproduzenten berichten, dass sie in einigen Fällen gezwungen waren, die produzierte Milch wegzuschütten.


Irland:

Für Landwirte, die sie sich mit Covid-19 infiziert haben, gibt es einen Krankenversicherungsschutz.

ICMSA hat spezielle Maßnahmen zur Bekämpfung von Marktstörungen für den EU-Lebensmittelsektor gefordert, u. a. private Lagerhaltung, zinsgünstige Kredite, reibungsloser Transport von Lebensmitteln.


Vereinigtes Königreich:

Bislang findet die Milchabholung normal statt. Da der Selbstversorgungsgrad des Vereinigten Königreichs nur bei 57% liegt, wird man wahrscheinlich große Mengen an Milch und Milchprodukten im Land verwenden. Dennoch ist von einer Senkung des Milchauszahlungspreises die Rede. Alle Viehmärkte in Nordirland und viele in Großbritannien sind geschlossen. Aufgrund von Transportproblemen und geschlossenen Unternehmen könnte die Beschaffung von Ersatzteilen für Melkanlagen und Maschinen problematisch werden.