Der Informationsaustausch bezüglich der Corona-Krise ist für alle Lebens- und Arbeitsbereiche aktuell sehr wichtig. Speziell zur Milchsektor-Situation sendet das European Milk Board diesen Newsletter mit Informationen zu den Entwicklungen in den einzelnen Ländern. Wir danken allen Kolleginnen und Kollegen auf den Höfen in ganz Europa für ihre Unterstützung bei dieser Informationsarbeit!
Im Folgenden sehen Sie zunächst einen Überblick zum globalen sowie europäischen Milchmarkt, gefolgt von den Informationen der MilcherzeugerInnen aus 15 europäischen Ländern.
Milchmarkt global
Die Indikatoren zeigen an, dass der Markt mehr und mehr unter Druck gerät. Deutlich wird das insbesondere am aktuellen Global Dairy Trade Index und auch am italienischen Spotmarkt (Mailand).
Global Dairy Trade Index: -3,9% (Stand: 17.03.2020)
Auf der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade sank der Gesamtindex in dieser Woche um 3,9% auf 2.980 $/t. Die gehandelte Menge lag mit 24.209 t erneut unter dem Niveau der vergangenen Auktion (25.576 t).
Mager- und Vollmilchpulver verzeichnen ein deutliches Minus: Magermilchpulver (-8,1% auf 2.527 $/t), Vollmilchpulver (-4,2% auf 2.797 $/t).
Butter weist ein leichtes Plus auf (+0,3% auf 4.144 $/t), ebenso wie Kasein (+1,0% auf 9.987 $/t). Die größte Erhöhung verzeichnet Laktose (+4,9% auf 914 $/t), ebenfalls positiv entwickelte sich der Index für Cheddar (+2,6% auf 4.398 $/t).
Europäischer Markt
Italienischer Spotmarktpreis (Mailand): 36,86 €/100 l (Stand: 03/2020)
Der italienische Spotmilchpreis (Mailand) sank im März 2020 auf 36,86 €/100l (-6,84% zum Vormonat). Im Vergleich zu März 2019 ist das ein Rückgang von 13,20%.
Futures auf Milcherzeugnisse an der European Energy Exchange (EEX) (Stand: 13.03.2020)
Die Kurse für Futures auf Milcherzeugnisse an der European Energy Exchange (EEX) geben deutlich nach. Die Kontrakte für Mai sanken beispielsweise um 5,7% auf 3.300 €/t.
EU-27 Milchpreise: 35,13 €/100 kg (Stand: 06.03.2020)
Der durchschnittliche EU-Milchpreis lag im Februar 2020 bei 35,13 €/100 kg. Die Preise sanken im Vergleich zum Vormonat um 0,6% und befinden sich in ähnlicher Höhe wie im Vorjahresmonat (35,20 €/100 kg).
EU-Butterpreis: 350 €/100 kg (Stand: 15.03.2020)
Die Butternotierungen betragen aktuell 350 €/100 kg. Das bedeutet einen Rückgang von 0,2% seit der Woche davor und -17% im Vergleich zum Vorjahr.
EU-Magermilchpulverpreis: 242 €/100 kg (Stand: 15.03.2020)
Der Preis für Magermilchpulver sank in der letzten Woche um 2,8% auf 242 €/100 kg. Im Vergleich zur Vorjahresperiode bedeutet das ein Plus von 26%.
Situation in den einzelnen Ländern
Italien:
Schwierige Situation in Italien. Der Transport von Lebensmitteln ist kompliziert, der Gastronomiesektor stark heruntergefahren. Unternehmen haben Arbeit reduziert bzw. eingestellt, weil es an Personal mangelt.
Allerdings ist die Nachfrage in den Supermärkten gestiegen.
Südtirol in Italien:
Aufgrund gesunkener Nachfrage im italienischen Gastronomiesektor werden erste Maßnahmen getroffen: Die Molkerei Mila Bergmilch Südtirol hat aufgrund von Beschaffungs- und Logistikproblemen Mitglieder zu freiwilliger Mengenreduktion aufgerufen (Rundschreiben 03/2020 - siehe Video dazu hier).
Frankreich:
Eindämmung ist derzeit die Regel für alle Franzosen. Landwirte dürfen aber raus, um ihre vorrangige landwirtschaftliche Arbeit fortzusetzen und ihre Ernährungsfunktion zu gewährleisten. Dabei müssen LandwirtInnen eine offizielle Bescheinigung mit sich führen. Alle landwirtschaftlichen Aktivitäten, die verschoben werden können, müssen verschoben werden. Außerdem gelten verschärfte Hygienemaßnahmen.
Von den LandwirtInnen selbst gibt es noch keine Rückmeldung. Die tägliche Arbeit läuft normal weiter.
Milchpreis hat sich nicht geändert. Aktuell kaufen Leute viel Milch und lagern sie zu Hause. Es ist wahrscheinlich, dass die Nachfrage in den kommenden Wochen sinkt, auch weil Restaurants und Kantinen geschlossen haben. Da die Absatzmöglichkeiten in diesen Sektoren stark zu schrumpfen scheinen, sprechen einige Milchzentralen davon, ihre Betriebe in den kommenden Wochen ganz oder teilweise stillzulegen. Auch gibt es Informationen, dass es hier und da in der Beschaffung und Logistik Einschränkungen gibt und z.B. Verpackungen fehlen.
Staatliche Maßnahmen im Milchsektor wurden bisher nicht ergriffen.
Belgien:
Es gibt zurzeit noch keine akuten Auswirkungen auf die MilcherzeugerInnen. Die tägliche Arbeit läuft normal weiter. Der Milchpreis liegt um die 31 Cent. Wie das Flemish Milk Board mitteilt, macht man sich aber schon Sorgen, falls MitarbeiterInnen wegen einer Coronaerkrankung ausfallen sollten. Nur für Mitglieder im Boerenbond gibt es einen Ersatzdienst, für die anderen ErzeugerInnen nicht.
Die Nachfrage nach der belgischen fairen Milch (Fairebel) ist aktuell gestiegen.
Deutschland:
Bis jetzt noch keine starken Auswirkungen auf die MilcherzeugerInnen. Die Milch wird normal abgeholt. Der Preis bleibt gleich. Aber einige Molkereien teilen mit, dass man mit starkem Exportrückgang rechnet (z.B. für Norden problematisch, da sehr auf Exporte ausgerichtet). Geschätzt, dass es 5% weniger Milchabsatz und einen Preisrückgang geben wird.
Der BDM fordert alle Akteure der Milchbranche und insbesondere alle Verbände der Ernährungs- und Molkereiindustrie auf, ein Signal an die Politik zu senden: zeitlich befristete, europaweit verbindliche Milchmengenreduzierung, um die wirtschaftlichen Schäden dieser Pandemie so gering wie möglich zu halten. Die AbL teilt diese Meinung. Es ist nun äußerst wichtig, dass die Politik, eine Milchmengenreduzierung (-5% z.B.) einführt. Landwirte fordern kein Geld von der Regierung, sondern dass Instrumente eingesetzt werden, um jetzt schon die zu erwartende Krise zu bewältigen und Maßnahmen wie Intervention zu vermeiden.
Dänemark:
Absage aller Veranstaltungen, Einschränkung menschlicher Kontakte wie überall. Bis jetzt keine speziellen Probleme im Milchsektor bekannt. Auch noch keine besonderen Maßnahmen ergriffen.
Bis dato keine Preisänderungen, Arla Foods hat den ganzen Monat den gleichen Preis, der April-Preis wird erst am 24.03 offiziell bekannt gegeben.
Niederlande:
Im Moment sind Auswirkungen der Corona-Krise auf den Höfen noch nicht greifbar.
Der Milchpreis hat sich nicht verändert, es wird aber erwartet, dass er bald sinken wird.
Regierung hat bisher keine besonderen Maßnahmen ergriffen. Landwirtschaft und Stickstoffverordnung sind kein aktuelles Thema mehr.
Forderung der Milcherzeuger: Wichtig, dass Instrumente eingesetzt werden und man nicht wartet bis es zu spät ist.
Interessant: in Videos haben Landwirte angeboten, auf Kinder aufzupassen, wenn Eltern arbeiten müssen. Sie haben ebenfalls den Leuten angeboten, frische Milch auf dem Hof zu kaufen.
Luxemburg:
Auf den Höfen läuft die Arbeit normal weiter.
Keine Milchpreisveränderung bisher.
Der Milchverkauf ist seit Freitag rasant gestiegen. Für die Molkereien gibt es jetzt kein Absatzproblem. Wenn die Leute ihre Vorräte aufgebaut haben, wird Verkauf sehr nachlassen.
Allgemeines Abwarten, wie sich die Situation entwickelt.
Schweiz:
Die Viehzuchtverbände stellen die monatlichen Milchprobewägungen sowie die Linearbeurteilungen ein. Alle Viehausstellungen und sämtliche Generalversammlungen wurden abgesagt. Die Arbeit auf den Höfen geht im normalen Rahmen weiter. Bei den Frühlingsarbeiten fällt auf, dass auf den Straßen sehr wenige Autos unterwegs sind. Problematisch ist, dass sehr viele Leute zu Fuß auf den Feldwegen unterwegs sind und nur ungern den Weg frei geben.
Die Nachfrage nach der Schweizer fairen Milch (Di fair Milch Säuliamt) hat sich bisher nicht verändert.
Spanien:
Bis jetzt geht die tägliche landwirtschaftliche Arbeit normal weiter. Lebensmittelverarbeiter arbeiten mit verschärften Hygienemaßnahmen. Falls aber ein Fall im Unternehmen bekannt gegeben werden sollte, wird das Unternehmen schließen müssen. Vorläufig sind die Milchabholung, die tierärztliche Grundversorgung sowie die Lieferung von Lebens- und Futtermitteln gewährleistet. Im Moment bleibt der Preis gleich, und die Verhandlungen über neue Verträge werden bis zur Bewältigung der Krise ausgesetzt.
Allgemeine Lage in Spanien: Innerhalb von 3 Tagen ist man von 5.000 Infizierten und 40 Toten in allen Gebieten auf mehr als 11.000 Infizierte und 300 Tote gekommen (Stand 17.03). Und es sieht so aus, als würde es noch schlimmer werden. Der Ausnahmezustand mit einschränkenden Maßnahmen gilt zunächst 15 Tage. Die Regierung berät sich aktuell, um weitere Maßnahmen zu ergreifen und die Frist auf 45 Tage zu verlängern. Ab heute wird die Armee in allen Städten patrouillieren und man darf nur mit einer Arbeitserlaubnis reisen.
Portugal:
Keine Milchpreisveränderungen.
Gestiegene Nachfrage bei Kuhmilch, jedoch Nachfrageeinbruch bei Schaf- und Ziegenmilch wegen geschlossenem Restaurantsektor. Reaktion einiger dieser Betriebe darauf ist eine Mengenreduzierung.
Irland:
Die Milchlieferungen gehen weiter, aber mit sozialer Distanzierung im Betrieb und verschärften Hygienemaßnahmen. Viehmärkte sind auf 100 Personen gleichzeitig beschränkt. Einige Märkte haben beschlossen, für die nächsten zwei Wochen vollständig zu schließen. Die Rinderschlachtung wird wie üblich fortgesetzt.
Besucher dürfen nicht auf die Höfe gehen. Es wird empfohlen, dass nur Besuche für die wesentlichen Dienstleistungen stattfinden.
Litauen:
Keine besonderen Auswirkungen auf die tägliche Arbeit am Hof.
Milchbeschaffungspreise im Vergleich zum Januar um 1% gestiegen. Bisher diskutiert Regierung nur Maßnahmen für Industrie, nicht für Landwirtschaft.
Milchverarbeiter klagen über eine Verringerung der Exporte, insbesondere nach Italien, befürchten aber auch, dass die Rohmilchimporte aus Lettland und Estland sinken könnten.
Lettland:
Landwirtschaftssektor arbeitet normal weiter, achtet aber verstärkt auf Hygiene und Sauberkeit.
Milchpreis gleich geblieben. Gibt Befürchtungen, dass er aufgrund von Transportproblemen in Europa dann sinken könnte.
Regierung plant verschiedene finanzielle Hilfen, um den Unternehmen zu helfen, z.B. Steuerbefreiungen, Kreditbefreiungen, Garantien.
Norwegen:
Die tägliche Arbeit auf den Höfen geht normal weiter und die Milch wird abgeholt. Lebensmittelproduktion und -transport läuft weiter. Der Milchpreis ist stabil.
Schweden:
Bis jetzt geht die tägliche Arbeit in der Landwirtschaft normal weiter. Die Milch wird abgeholt. Treffen müssen allerdings vermieden und der Kontakt zum Milchabholer z.B. beschränkt werden. Der Milchpreis ist am 1. März um 0,01€ gestiegen und bleibt stabil. Man macht sich aber Sorgen, dass MitarbeiterInnen auf den Höfen augrund einer Corona-Infektion ausfallen.

