Der Landesverband dänischer Milcherzeuger (LDM) hat vor kurzem drei Marktanalysten beauftragt, die Entwicklung der nationalen/europäischen Milchpreise im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf einer Landwirtschaftsausstellung zu bewerten.
Der erste Analyst, der dafür bekannt ist, vorsichtig, aber auch sehr gut informiert zu sein, erwartet einen weitgehend unveränderten Milchpreis mit wenig Aufwärtspotenzial von bis zu etwa 0,37 EUR / Liter. Die erwartete Preiserhöhung basiert vor allem auf dem Anstieg des Markpreises von Fett, während der Proteinpreis niedrig bleibt. Der Analyst sieht keine Möglichkeiten für weitere Anstiege über 0,37 EUR/Liter, solange der Proteinpreis nicht steigt. Zudem hat er Bedenken, dass der Proteinpreis nicht steigen wird, solange die Interventionslager der Europäischen Union überfüllt sind. Seiner Ansicht nach wäre das einzig mögliche Szenario, um diesen Status zu ändern, ein plötzlicher Anstieg der Exporte nach China. Als Analyst bevorzugt er eine moderate Preiserhöhung, die auch bewirken würde, dass der nachfolgende Preisrückgang gering ausfällt.
Ein anderer Analyst sieht gute Chancen für größere Preissteigerungen auf eventuell 0,44 EUR/Liter. Sein Argument dafür ist, dass er zum einen steigende Preise für Kraftfutter-Rohstoffe erwartet und darüber hinaus nicht glaubt, dass ein Preis von 0,37 EUR ausreichend ist, um die gesamte europäische Milchproduktion zu erhöhen. Er geht davon aus, dass die Milchmenge zurückgehen wird, da einige Milcherzeuger aufhören werden. Erst ab Preisen von mehr als 0,37 EUR ist die Milcherzeugung so attraktiv, dass die gesamte Produktion erhöht wird. Aus diesen Gründen glaubt der Analyst, dass der Preis weiter auf ein Niveau von etwa 0,44 EUR /Liter steigen wird. Basierend auf der Verschuldung der Milcherzeuger im vergangenen Jahr, schätzt er auch, dass sich der Preis von 0,44 EUR länger halten wird, vielleicht mehrere Jahre.
Der dritte Analyst auf dem Podium der Landwirtschaftsmesse analysierte alle Preisentwicklungen auf Basis von zeitabhängigen Zyklen (Kondratieff-Zyklen). Seine Berechnungen basieren auf der Entwicklung der letzten 100 Jahre und zeigen, dass der Milchpreis in einem 45-Monatszyklus schwankt. Laut dieser Berechnungen werden die Preise weiter steigen bis spät im Jahr 2017, aber 2018 wieder zurückgehen. Genaue Zahlen für die Preisspitze gibt es nicht, aber ein Preis von 0,44 EUR oder sogar 0,46 ist seiner Meinung nach nicht unerreichbar. Allerdings hatte er keine Schätzung wie tief der nachfolgende Preisverfall wird, aber seiner Prognose zufolge wird ein Rückgang kommen.
Kjartan Poulsen, Nationaler Verband der dänischen Milcherzeuger (LDM)


