(Brüssel, den 15. Januar 2020) In der aktuellen Berechnung der deutschen Milcherzeugungskosten wird deutlich, dass jene im Oktober 2019 nur zu 78% gedeckt waren. Laut der vierteljährlich aktualisierten Kostenstudie des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) betrugen die Produktionskosten im vergangenen Oktober 43,71 ct/kg, während die Auszahlungspreise bei 34,23 ct/kg lagen. Somit fehlten den ErzeugerInnen 9,48 ct/kg zur Kostendeckung.
Entwicklung der Milcherzeugungskosten in Deutschland
Hier finden Sie die Entwicklung der Kostensituation für die Milchproduktion in Deutschland von 2009 bis Oktober 2019.
Preis-Kosten-Ratio (Unterdeckung)
Die Preis-Kosten-Ratio verdeutlicht, inwieweit das Milchgeld die Produktionskosten abdeckt. Im Oktober 2019 haben die ErzeugerInnen nur 78% ihrer Produktionskosten über den Milchpreis erwirtschaftet; die Unterdeckung betrug somit 22%.
Sehen Sie hier die Kostenunterdeckung seit 2009.

Milch-Marker-Index – MMI
Der Milch-Marker-Index (MMI) zeigt die Entwicklung der Kosten in der Milchproduktion auf. Der MMI hatte im Oktober 2019 einen Wert von 106, d.h. die Produktionskosten für deutsche MilcherzeugerInnen sind im Vergleich zum Basisjahr 2015=100 um sechs Prozent gestiegen.
Mehr Informationen zum Milch-Marker-Index im zeitlichen Verlauf:

Neu: Biokostenstudie
Für Deutschland gibt es seit November 2019 nun auch Informationen zu den Milcherzeugungskosten im Biobereich (Zeitraum: 2011 bis zum aktuellsten abgeschlossenen Wirtschaftsjahr). Hier finden Sie die Studie "Was kostet die Erzeugung von Biomilch?"
Studie Produktionskosten sechs wichtiger Milcherzeugungsländer
Nicht nur für Deutschland, sondern auch in fünf weiteren Ländern werden regelmäßig Kostenberechnungen durchgeführt. Auch hier wird deutlich, dass MilcherzeugerInnen keine kostendeckenden Milchpreise erhalten.
Die Berechnungen der Milchproduktionskosten in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden für das Jahr 2017 finden Sie hier.
Die Kosten der Milchproduktion sind chronisch unterdeckt – was schafft Abhilfe?
Das European Milk Board schlägt die gesetzliche Verankerung eines Kriseninstruments vor, um der chronischen Unterdeckung entgegenzuwirken. Das Marktverantwortungsprogramm (MVP) beobachtet und reagiert auf Marktsignale durch eine Anpassung der Produktion.
Sehen Sie hier eine kurze Beschreibung des Marktverantwortungsprogramms des EMB.
Hintergrund: Für die Studie „Was kostet die Erzeugung von Milch?“ hat das Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) 2012 im Auftrag vom European Milk Board und der MEG Milch Board erstmals die Milcherzeugungskosten in Deutschland flächendeckend berechnet. Die Kalkulation basiert auf Daten des Informationsnetzes landwirtschaftlicher Buchführungen der EU (INLB) sowie des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und wird seit 2014vierteljährlich aktualisiert.
Kontakt:
EMB-Pressestelle Vanessa Langer (DE, EN, FR): +32 (0)2 808 1935

