Presseerklärung zu den Vorschlägen von Fischer Boel in Straßburg
EU-Agrarkommissarin provoziert Milcherzeuger in Europa
Mengenproblem auf dem europäischen Milchmarkt erkannt, dennoch keine durchschlagenden Lösungsvorschläge von der Kommission
Hamm/Brüssel, 18.09.2009: Der Aufstand der Milchbäuerinnen und -bauern wegen der katastrophalen Milchpreise nimmt in allen Länder Europas täglich zu. Dennoch hat die EUKommissarin Mariann Fischer Boel in ihrer Rede vor dem EU-Parlament die Anliegen der Milchbauern mit wenigen Ausnahmen ignoriert. „Damit provoziert die Agrarkommissarin die Milcherzeuger in Europa, die ausgehend von Frankreich seit vergangenen Donnerstag mit Protesten und einem Milchlieferstopp begonnen haben“, gibt die Niederländerin Sieta van Keimpema, Vizepräsidentin des European Milk Boards (EMB), zu bedenken.
„Trotzdem verbuchen wir es als Erfolg, dass das Thema Milch überall in der Politik auf den ersten Platz der Tagesordnung gerutscht ist“, sagt Pascal Massol von der französischen Milcherzeugerorganisation APLI. Daniel Condat von der französischen OPL ergänz: „Der Druck auf die Politik durch den großartigen Milchstreik in Europa wächst offensichtlich.“
„Es ist positiv, dass die EU-Kommissarin das Mengenproblem am Markt anerkennt“, sagt Romuald Schaber, Präsident des European Milk Board (EMB) aus Deutschland. „Auch geht der Vorschlag, Quoten aus der Produktion herauszunehmen und in die Reserve legen zu können, ohne dass Überlieferer darauf zurückgreifen können, in die richtige Richtung. Dennoch bieten die Kommissionsvorschläge bei weitem nicht genügend Boden, um die überschüssigen Milchmengen wirksam vom Markt zu nehmen, damit sich die Milchpreise wieder auf ein existenzsicherndes Niveau erholen können und eine flächendeckende und qualitative Milchproduktion gesichert wird.“ Angebot und Nachfrage müssen so schnell wie möglich in Einklang gebracht werden.
Ernst Halbmayr von der IG-Milch weist darauf hin: „Die rund 140.000 europäischen Milcherzeuger im European Milk Board haben in einem gemeinsamen Positionspapier Forderungen für den europäischen Milchmarkt an die Politik formuliert und auch in die Politik eingebracht. Dafür kämpfen sie gerade europaweit und ihre Proteste richten sich gegen die Politik, die in einem übersättigten Markt die Ausdehnung der Milchproduktion organisiert haben.“
Dafür gilt es eine europäische Monitoringstelle einzurichten, in der Vertreter der Politik, Verbraucher, Molkereien und Milchbauern regelmäßig und mit Hilfe von Marktanalysen die zu produzierende Milchmenge justieren. Die Einschätzung der Lage auf dem Milchmarkt darf man nicht allein der Kommission oder Interessen gesteuerten Analysten überlassen, sondern man muss ebenso auf die Milcherzeuger und andere Quellen zurückgreifen. Nur dann kann sichergestellt werden, dass die Anliegen aller Beteiligten berücksichtigt werden.
Kontakt:
Romuald Schaber, Präsident (DE): 0049/1515503 7174
Sieta van Keimpema, Vizepräsidentin (NL, EN, DE): 0031/612168000
Ernst Halbmayr, Vorstandsmitglied (DE): 0043/6649249635
Pascal Massol, Präsident APLI, Frankreich (FR): 0033/670517303

