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EMB-Länderbericht: 17.09.2009

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„Der Funke ist über gesprungen“, sagt Thomas Schmidthaler. In Österreich gilt der Slogan: „No milk today, yes we can.“ Der Aufstand der Milchbauern war zu Beginn noch nicht so sichtbar, aber durch die vielen Fotos, Berichterstattungen und Filme über die Aktionen in den Ländern wird es immer deutlicher – und ist nur noch schwer aufzuhalten.

In Österreich fehlt derzeit 10 % der Milchmenge. Anfang nächster Woche ist eine Aktion geplant, mit der an diesem Tag weitere 10% der österreichischen Milchmenge nicht an Molkereien gelangen sollen. Außerdem: Die Milchbauern treffen den Bundeskanzler Werner Faymann und es scheint Bewegung in die österreichische Regierung zu kommen. Der Druck steigt. Gestern haben in Österreich viele Aktionen wie Straßenblockaden und Milch an Verbraucher austeilen stattgefunden und sind mit großem Interesse von den Medien aufgenommen worden. Diese Aktionen laufen auch weiter.

 
“In Deutschland hat gestern ein gewisser Quantensprung stattgefunden“, sagt Ulrich Japser aus Deutschland. Das hat auch mit den bundesweiten Aktivitäten zu tun, Milch mit den Güllefässern auszubringen. „Bauern in Deutschland haben noch Startschwierigkeiten, den Hahn aufzudrehen, aber wenn ein Bauer mit dem Güllefass auf den Hof kommt, dann sind die Bauern bereit, ihre Milch abpumpen zu lassen“, so Jasper. Dadurch wurden gestern schätzungsweise 20% der deutschen Milchmenge nicht an die Molkereien geliefert. Die Medien berichten immer mehr und neuerdings auch überregional über den Milchbauern-Aufstand. Die Stimmung der Bauern in Deutschland hat sich dadurch gewandelt. Versammlungen, Kundgebungen und Demos werden von immer mehr Milchbauern besucht. Der Aufstand der Milchbauern in Europa hat dazu geführt, dass auf der Agrarministerkonferenz in Deutschland (und auch in der EU) Milch ganz oben steht.

 
In den Niederlanden wurde gestern in einer Aktion eine Autobahn blockiert. Das war sehr erfolgreich. Anschließend haben die niederländischen Bauern noch Aktionen ihrer deutschen Kollegen besucht. Danach hat sich eine Gruppe niederländischer/deutscher Bauern nur für eine kurze Zeit vor eine Molkerei aufgehalten. „Die sind sehr nervös geworden, als die die Bauern aus Deutschland UND den Niederlanden sahen“, sagt Hennie de Zwaan. In den Niederlanden (genau wie in Deutschland) droht das Kartellamt mit einer Anzeige, wenn die Bauern den Streik ausrufen. Das verunsichert die Bauern derzeit noch, an den Lieferboykott teilzunehmen. Deshalb ist nächste Woche dazu eine Aktion geplant. Die Medien berichten positiv und die Verbraucher stehen hinter den Bauern.


In Belgien: Die Aktion mit den Güllefässern ist sehr gut gelaufen. 3 Mio. t sind eingesammelt und aufs Feld gebracht worden. Diese Resonanz hat keiner erwartet. Wir wollten probieren, ob es funktioniert. Milchbauern sind mit Güllefässern auf die Betriebe gefahren und haben gefragt: „Willst Du Milch abgeben, ein viertel oder einen halben Tank.“ Die Milchbauern haben mitgemacht. Hennie de Zwaan gratuliert den belgischen Milchbauern „zu dieser erfolgreichen Aktion“, die von den Milcherzeugern in den Nachbarländern nur kurze Zeit später übernommen wurde – und medial ein Erfolg ist.


In Frankreich: Milcherzeuger treffen sich vor Molkereien, um die Tanklaster zu empfangen und die „Papiere zu überprüfen“. Diese Treffen werden auch dazu genutzt, dass Milcherzeuger zusammenkommen und sich austauschen. In der Normandie überlegen die Bauern besondere Aktivitäten für Milchtanker aus anderen Länder. Außerdem wurde heute begonnen, die Milch mit dem Güllefass auf die Felder auszubringen. Die Aktion Milch mit Güllefässern ausbringen, die in Belgien gestartet ist, dehnt sich auf immer mehr Ländern aus.


Marcus Hafner aus Italien: „Heute werden weiter 50 % der Milch von den Mitgliedern der italienischen Organisation APL (Lombardei u. Piemont) weg gekippt. Nach Angaben der APL haben sind damit ca. 15 % der nationalen Milchmenge in Italien nicht abgeliefert worden. Einige große wichtige Aktionen sind im Land geplant. Italienische regionale Presse berichtet hervorragend über die Milchbauern-Aktivitäten und vor allem auch über die Milchbauern in Frankreich.


In der Schweiz gab es gestern morgen ein Milchbranchen-Treffen mit der Bundesrätin Doris Leuthard. Sie gesteht ein, dass es ein Mengenproblem gibt und erwartet, dass die Milchbranche eine „aktzeptable Lösung“ einbringt, dann würde sie das umsetzen. Martin Haab sagt: „Ich erwarte keinen Lösungsvorschlag in unserem Interesse.“ Am Freitag wird etwas von der Milchbranche vorliegen und für Freitagabend organisieren die Milchbauern eine Großveranstaltung in der Deutsch-Schweiz.


In Irland hat es letzte Woche eine Milchdemo gegeben, darauf hin wird das Thema Milch in den Medien gut aufgenommen. Bisher sind die Milcherzeuger noch wenig aktiv, bekommen aber die Aktivitäten in den umliegenden Ländern mit und „vielleicht schwappt die Motivation zu uns über, wie auch in den anderen Ländern“, sagt John Enright.