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EMB Pressemitteilung: Aufstand der Milchbauern legt Europa lahm

Über vierzigtausend Bauern in acht Ländern liefern keine Milch mehr. Politik muss umgehend handeln und Situation entspannen.

Hamm/Brüssel, den 16.09.2009: Die bisherige Ignoranz der europäischen Agrarminister hat europaweit zu einer ruinösen Situation auf den Milchbetrieben geführt und einen noch nie da gewesenen Aufstand der Milchbäuerinnen und Milchbauern in Europa ausgelöst. „Entgegen den Forderungen der Milcherzeuger dehnte die Politik in einem gesättigten Milchmarkt die erlaubte Milchmengenproduktion aus und organisierte eine Überschussproduktion“, sagt Ernst Halbmayr von der IG-Milch in Österreich. „Der so provozierte katastrophale Preisverfall führt zu einer Vernichtung der Milchbetriebe in allen europäischen Ländern.“

„Die jetzige Politik ist gescheitert. Über vierzigtausend Milchbauern in acht Ländern greifen in ihrer Verzweiflung zum letzten Mittel und liefern ihre Milch nicht mehr an die Molkereien“, sagt Pascal Massol, Präsident der französischen Milcherzeugerorganisation APLI, deren Mitglieder am letzten Donnerstag den Lieferboykott starteten. „Mehr als 100.000 Milchbauern in 14 Ländern sind im europäischen Dachverband der Milcherzeuger EMB organisiert“, fügt EMB-Vizepräsidentin Sieta van Keimpena hinzu. „Wir erwarten eine Ausdehnung des Milchstreiks.“

„Die Politik muss umgehend handeln und die Situation entspannen“, fordert der Präsident des EMB, Romuald Schaber. „Die streikenden Milchbauern verlangen, dass die Politik das Kernproblem angeht und eine sofortige Reduzierung der Milchmenge umsetzt, damit die Molkereien so schnell wie möglich kostendeckende Milchpreise auszahlen können. Wir erwarten außerdem,“ so Schaber weiter, „dass die Politik umgehend Gespräche mit uns führt, wie dauerhaft die europäische Milcherzeugung an den Bedarf und die Nachfrage orientiert wird, um kostendeckende Erzeugerpreise für die Milchbauern zu gewährleisten.“ Der EMB hat dafür ein konkretes Positionspapier erarbeitet und der Politik bereits vorgelegt.

Nicht nur die Milcherzeuger in Europa leiden unter dieser Politik. Erwin Schöpges von der Milcherzeuger Interessengemeinschaft (MIG) in Belgien weist darauf hin: „Diese Milchpolitik schadet auch Milchproduzenten in Entwicklungsländern. Mit der Wiedereinführung des veralteten Instruments der Exportsubventionen Anfang diesen Jahres wird europäische Milch künstlich verbilligt auf dem Weltmarkt verkauft und lokale Märkte in armen Ländern zerstört.“ Das die Politik für die längst überwunden geglaubten Instrumente Exportsubventionen und Lagerhaltung nach Angaben der EU-Kommission allein in diesem Jahr 600.000 Euro Steuergelder verschleudert, gibt Roberto Cavaliere von der italienischen Milcherzeugerorganisation APL della Pianura Padana zu bedenken.

„Die Existenz von zehntausenden von Milchviehbetrieben steht auf dem Spiel. Und dazu kommen einhunderttausen Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Bereichen der Miclherzeugung.“

Details zu dem Streik in den verschiedenen Ländern finden Sie unter www.europeanmilkboard.org

Kontakt:   
        Romuald Schaber, Präsident (DE): 0049/1515503 7174
        Sieta van Keimpema, Vizepräsidentin (NL, EN, DE): 0031/612168000
        Ernst Halbmayr, Vorstandsmitglied (DE): 0043/6649249635
        Pascal Massol, Präsident APLI, Frankreich (FR): 0033/670517303
        Daniel Condat, Präsident OPL, Frankreich (FR): 0033/6 07 08 62 40

Aufstand der Milchbauern legt Europa lahm