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Europäische Milcherzeuger rücken deutschen Agrarministern auf die Pelle

Mit lautstarker Unterstützung von Berufskolleginnen und Kollegen der Partnerorganisationen aus Italien, Österreich und den Niederlanden sind am 31.03.11 rund 350 deutsche Milcherzeuger und weitere Bauern vor die Tore der deutschen Agrarminister gezogen. Die Minister von Bund und Bundesländern (16 Provinzregierungen) berieten in der thüringischen Stadt Jena über die Reform der EU-Agrarpolitik. Auch das so genannte Milchpaket der EU, mit dem eigentlich das derzeit schwache Verhandlungsgewicht der Milcherzeuger gestärkt werden soll, stand auf der Tagesordnung. Der Präsident des EMB und Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) Romuald Schaber forderte auf der Kundgebung vor dem Tagungshotel die deutschen Minister dazu auf, sich für deutliche Verbesserungen an den Brüsseler Vorschlägen für das EU-Milchpaket einzusetzen. Deutschland stehe hier bisher zu sehr auf der Bremse.

Als aus dem Tagungshotel durchsickerte, dass ein entsprechender Antrag von zwei Bundesländern vorerst abgelehnt worden ist, brauste draußen tosender Protest auf. Schaber rief die Minister auf, endlich eine Politik mit Weitsicht zu betreiben. Dazu bräuchten die Milcherzeuger aber die Möglichkeit, sich wenigstens so stark zusammenschließen zu dürfen wie die Molkereien. Die Sonderrolle, die von den EU-Vorschlägen und auch von der Bundesregierung den Molkereigenossenschaften zugestanden werde, müsse weg, damit die Milcherzeuger auf Augenhöhe am Markt teilnehmen können.

 

30 Milchbauern und Bäuerinnen aus Italien waren mitten in der Nacht aufgebrochen, um nach 11 Stunden Fahrt an der Kundgebung aktiv teilzunehmen. „Wir sind es leid, nur dafür zu arbeiten, dass die großen Molkereikonzerne für sich den Rahm abschöpfen“, sagte Roberto Cavaliere von der italienischen Organisation APL della Pianura Padana.

 

Die niederländischen Kollegen des DDB und der NMV hatten als Geschenk einen Sack voll roter Trillerpfeifen mitgebracht. „Wir pfeifen die bisherige Politik vom Platz, denn sie ist nicht nachhaltig, weder für unsere Betriebe noch für die gesamte Gesellschaft“, übersetzte Sieta von Kampeima, EMB-Vizepräsidentin, die Botschaft.

 

Die neue Vorsitzende der österreichischen IG Milch Erna Feldhofer machte klar, dass sich die Probleme der Milcherzeuger in allen europäischen Ländern sehr ähneln. „Es macht keinen Unterschied, ob die Betriebe groß oder klein sind. Wir brauchen alle ein Einkommen, mit dem wir unsere Betriebe erhalten und entwickeln können. Das ist ein Problem der gesamten Gesellschaft, denn mit unseren Betriebe geht sonst die Kulturlandschaft, ein Stück Natur und letztlich Lebensqualität verloren.“ Sie rief dazu auf, weiter für die gemeinsamen Lösungen einzustehen und erntete auch dafür großen Beifall.

 

Von der zweiten deutschen EMB-Organisation Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft stellte Georg Janßen die Kampagne „Meine Landwirtschaft“ vor. Sie wird von einem großen Bündnis verschiedenster deutscher Organisationen von Landwirtschaft, Kirchen, Umweltschutz bis zur Entwicklungspolitik getragen. „Wie Landwirtschaft betrieben wird und unter welchen Bedingungen, das ist interessiert sehr viele Menschen in unserem Land. Mit der gemeinsamen Kampagne suchen wir gezielt das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Wir sind sicher: Die Mehrheit steht hinter unseren Forderungen, die Mehrheit lehnt die bisherige Politik ab. Das muss und das wird sich in der Reform der EU-Agrarpolitik niederschlagen“, zeigte Janßen Zuversicht.

 

Ulrich Jasper, AbL


Siehe auch www.bdm-verband.de und www.abl-ev.de

Presseerklärung des BDM

Manifest der Milchbauern (BDM)

Presseerklärung der AbL