(Brüssel, 01.07.2015) In den Niederlanden sind die Milcherzeugungskosten für das Jahr 2014 veröffentlicht worden. Für das Gesamtjahr ergeben sie nach Abzug von 3,03 Cent/kg Beihilfen einen Wert von 42,24 Cent pro Kilogramm Milch. Mit der Veröffentlichung der Daten leistet der EMB-Verband Dutch Dairymen Board (DDB) zusammen mit dem Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) einen wichtigen Beitrag zur Transparenz im Milchsektor.
Dieser Druck hat sich 2015 noch einmal verstärkt. Die aktuellen Preise liegen in den Niederlanden bei ca. 25 - 28 Cent pro Kilogramm Milch. Und auch in den anderen Ländern Europas ist die Lage kritisch. So werden aus Belgien Preise von 25 - 26 Cent, aus Frankreich von durchschnittlich 29 - 30 Cent und aus Dänemark von 29 Cent je Kilogramm Milch gemeldet. Auch in Deutschland sieht es aktuell mit 26 - 30 Cent und in Irland mit 28 Cent nicht besser aus.
Aktuell ignoriert die EU-Kommission die dramatische Situation und weigert sich, ein Kriseninstrument wie das Marktverantwortungs-programm (MVP) umzusetzen. „Diese Ignoranz kostet sehr vielen Milcherzeugern in ganz Europa die Existenz und ist sehr gefährlich für den gesamten EU-Milchsektor. Die EU-Regierungen und die Kommission müssen das MVP jetzt installieren“, fordert van Keimpema die Verantwortlichen zum Handeln auf.
Trotz gesunkener Milcherzeugungskosten bei gleichzeitig gestiegenen Milchauszahlungspreisen war es 2014 nicht möglich, kostendeckend zu produzieren. Bei einem Preis von 38,90 Cent pro Kilogramm ergab sich 2014 eine Kosten-unterdeckung von 8 Prozent. Im Vorjahr hatten die Kosten pro Kilogramm Milch noch um 5 Prozent höher und der Preis um ca. 1,5 Cent niedriger gelegen. Sieta van Keimpema, die Vorsitzende des DDB, dazu: „Man muss bedenken, dass 2014 als ein Jahr mit vergleichsweise hohen Preisen gilt. Aber selbst hier konnten die Kosten nicht gedeckt werden.“ Dadurch würden auch in den Niederlanden viele Erzeuger die Milchproduktion aufgeben. „Auch wenn die Milcherzeugung eine Leidenschaft ist und wir unseren Beruf lieben, der finanzielle Druck lässt vielen von uns keine andere Wahl als auszusteigen“, verweist van Keimpema auf die verheerende Wirkung des ständigen Defizits.
Hintergrund
Milk Board beim Büro für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL) in Auftrag gegebene Kostenstudie berechnet die niederländischen Erzeugungskosten der Milch. Sie basiert zum einen auf Daten des InformationsNetzes Landwirtschaftlicher Buchführungen der Europäischen Kommission (INLB). Zur Hochrechnung dienen neben den Preisindizes für landwirtschaftliche Betriebsmittel und Rindererzeugung von 2005 bis 2014 (Eurostat) die wirtschaftlichen Daten über die spezialisierten Milchviehbetriebe des niederländischen Testbetriebsnetzes von 2013 (Quelle: Landbouw economisch instituut, LEI Wageningen). Damit die Arbeitskosten der Selbständigen nach ihrer Berufsqualifikation und ihren Aufgaben berechnet werden können, hat der DDB ein externes Gutachten erstellen lassen. Darin wurde – angelehnt an ein anerkanntes System zur Bewertung der Entlohnung von Arbeitsverhältnissen – im Milchviehsektor der Wert für die Arbeit der selbstständigen Milcherzeuger bestimmt.
Auf dieser Studie aufbauend wurde der Milch Marker Index (MMI) entwickelt, der den aktuellen Verlauf der Erzeugungskosten (mit Basisjahr 2010 = 100) dokumentiert. Für 2014 beträgt der MMI 107 Punkte. Halbjährlich wird er gemeinsam mit einer Preis-Kosten-Ratio veröffentlicht. Diese zeigt das Verhältnis zwischen den amtlich erfassten Rohmilchpreisen und den Milcherzeugungskosten.
Kontakte:
DDB-Vorsitzende & EMB-Vizevorsitzende Sieta van Keimpema: (NL, DE, EN): +31 (0) 61 21 68000
EMB-Pressestelle Silvia Däberitz (DE, EN): +32 (0) 2 808 1936
Datenblatt mit den wichtigsten Zahlen zur Kostentudie

