Frankreich:
- Letzte Woche fanden mehrere Proteste statt: Rund hundert Landwirte verschiedener Sektoren (Milch, Schwein, Rind) haben am 13. August vor der Präfektur von Calvados in Caen (Normandie) einige Tonnen Mist und Bauschutt abgeladen. Laut France TV beziffert die Präfektur die Schäden auf mindestens 200.000 €.
- Am 14. August haben Landwirte in Carcassonne (Region Languedoc-Roussillon, Südfrankreich) Strohballen vor dem Gebäude der Versicherung für Landwirtschaft entzündet. Die Demonstranten von FDSEA (regionaler Verband der landwirtschaftlichen Betriebe) und den Jungbauern forderten die Umsetzung der kürzlich abgeschlossen Abkommens zu Milch- und Fleischpreisen.
- André Pflimlin, ein französischer Experte für den Milchmarkt, hat Anfang August ein Papier zur Milchkrise 2015 aus französischer und aus europäischer Sicht veröffentlicht. Pflimlin macht die von der EU-Kommission gesteuerte europäische Milchpolitik direkt für den Preisverfall verantwortlich. Sie habe die Marktöffnung und die Anpassung des Milchpreises an den Weltmarktpreis vorangetrieben. Das Marktverantwortungsprogramm des EMB wird als aussichtsreichster Vorschlag erörtert. <link fileadmin dokumente press_release emb-allgemein download herunterladen der datei>Auszug "Milchkrise 2015: Illusionen und Fakten" (in Deutsch) bzw. das Original <link fileadmin dokumente press_release emb-allgemein file>Crise laitière 2015: mirages et réalités.
- Unser französischer Mitgliedsverband APLI kündigt Aktionen in Angers (28.8.) und Rennes (15.9.) an.
Großbritannien:
- Rund 100 Jungbauern haben am 14. August in einer weiteren Einkaufswagen-Aktion die Milchregale in einem Asda Supermarkt in Dorset, England geleert.
- Die Organisation Farmers for Action (FFA) hat Sonntag Nacht, 16. August, zwei weitere Protestaktionen bei Tesco und Farm Foods in England durchgeführt. Die Proteste richteten sich erstmals gegen die hohen Mengen Käse, die von den Supermärkten importiert werden. Tesco hat für Mittwoch einem Treffen mit FFA zugestimmt. Gegen Farm Foods werden weitere Aktionen angekündigt, falls sich das Management bis Mitte der Woche nicht mit Vorschlägen meldet. Zusätzliche Proteste gegen Supermärkte und Handel sind für die kommende Woche in mehreren Landesteilen geplant. Artikel Metro zur Blockade des Tesco Verteilungszentrums mit zahlreichen Fotos (in Englisch).
- Nach zahlreichen landesweiten Protestaktion der letzten Wochen haben die Supermarktketten Asda, Aldi und Lidl eine geringfügige Erhöhung der Auszahlungspreise von 28 pence pro Liter (rund 39 Cent ) angekündigt, Morrisons wird auf 26 pence (rund 37 Cent) erhöhen, was immer noch unter den tatsächlichen Produktionskosten liegt.
- Diane Dodds, Europaabgeordnete aus Nordirland hat Anfang August eine öffentliche Petition gestartet und Agrarkommissar Phil Hogan aufgerufen, Maßnahmen zur Unterstützung der britischen Landwirte zu ergreifen. Zentrale Punkte der Unterschriftenliste sind gerechte Preise, Bekämpfung des Ungleichgewichts in der Lieferkette, Anhebung der Interventionspreise für Milch.
Belgien:
- Am Sonntag, den 16. August machten flämische Landwirte am Rande des Radrennens „Eneco-Tour“ mit etwa 200 Traktoren am Bosberg in Geraardsbergen (Provinz Ostflandern) auf ihre Probleme aufmerksam. Sie protestierten gegen die nicht kostendeckenden Abnahmepreise für ihre Milch sowie gegen neue Regeln in Flandern, die den Umweltschutz betreffen.
- Die Milcherzeuger Interessengemeinschaft (MIG) und die Gewerkschaft der Jungen Landwirte kündigen für den 18. August erneute Blockaden in der Provinz Lüttich an.
- Ausführliche TV Reportage über die Protestaktionen der Milcherzeuger-Interessengemeinschaft (MIG) im Juli 2015 sowie ein Interview mit Christian Wiertz, Vizepräsident der MIG.
Deutschland:
- Rund 200 Landwirte aus Schleswig-Holstein haben am Freitag, den 14. August in Hohenwestedt gegen den Preisverfall von Agrarprodukten demonstriert. Der deutsche Bauernverband hatte seine Mitglieder zur Protestkundgebung aufgerufen. Bereits am Mittwoch waren Bauern des BDM (Bundsverband Deutscher Milchviehhalter) in Rendsburg auf die Straße gegangen, um gegen den fallenden Milchpreis zu demonstrieren.
- Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) lehnt einseitige Exportorientierung ab und möchte das Überangebot bei Milch und Schweinen reduzieren. Die AbL fordert in ihrer aktuellen Pressemitteilung als kurzfristige Maßnahme einen zeitlich befristeten Anreiz zur Drosselung der Milcherzeugung. Finanziert werden soll dies aus der letztmalig erhobenen Superabgabe. Für die Milch wird eine Qualitätsoffensive gefordert, um langfristige Perspektiven für die Milchviehbetriebe zu entwickeln.
- Der Deutsche Bauernverband schießt sich dagegen weiterhin auf eine Förderung der Exporte ein. Laut Nachrichtenmagazin Focus vom 15.08.15 fordert der deutsche Bauernpräsident Rukwied vom EU-Sonderrat der Agrarminister am 7.9. „konkrete Beschlüsse für ein Unterstützungsprogramm“. Die EU sollte laut Rukwied auch „eine Export-Offensive für Agrargüter und Lebensmittel beschließen für deren Finanzierung die Superabgabe genutzt werden kann“.
- Das französische Magazin Les Echos berichtet über die schwierige Situation deutscher Milchbauern anhand eines Betriebes im Schwarzwald (in Französisch).
Spanien:
Unser spanischer Mitgliedsverband OPL kündigt eine weitere Aktion für den 20. August in Vilalba (Galizien) an und mobilisiert für eine große Traktoraktion. <link fileadmin dokumente press_release emb-allgemein download herunterladen der datei>Pressemitteilung (in Spanisch) sowie aktuelle Bilder von der Protestaktion in Lalin vom 12. 8. (wir haben berichtet).
Internationales:
Die Allgemeine Zeitung berichtet, dass es derzeit auch in Südafrika eine Überproduktion an Milch gibt und dies gewaltige Auswirkungen auf die recht kleine Milchindustrie in Namibia hat. Laut AZ werde südafrikanische H-Milch in Namibia im Regal billiger als in Kapstadt angeboten. Die Milchbauern fürchten um ihre Existenz. An die Verbraucher wird appelliert die namibischen Produkte, die frei von Hormonen seien, zu kaufen und somit die hiesige Industrie und Arbeitsplätze zu unterstützen, anstatt die jetzt noch billigere Ware aus anderen Ländern zu kaufen.

