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Biokostenstudie in Deutschland: Auf jeder Milchabrechnung ein Fehlbetrag - Sollte das nicht zu denken geben?

Produktionskosten pro Kilo Biomilch von 60,29 Cent und ein durchschnittlicher Biomilchpreis von 47,40 Cent: mit anderen Worten, eine Kostendeckung von nur 79%. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Studie des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) zu den Erzeugungskosten von Biomilch in Deutschland, die vom European Milk Board (EMB), dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und der MEG Milch Board in Auftrag gegeben wurde. In der Studie wird ein faires Einkommen für die ErzeugerInnen berücksichtigt. Die dank dieser Studie ans Licht gebrachten Zahlen machen deutlich, dass auch die BiomilcherzeugerInnen ihre Milch weit unter Wert verkaufen.

 

Hier einige Eindrücke von Klaus Vetter, Biobauer aus Hessen, der der im Rahmen der Studie eingerichteten Arbeitsgruppe angehörte.

Herr Vetter, was nehmen Sie aus Ihrer Teilnahme an der Arbeitsgruppe mit?

Für mich war die Teilnahme an der Erstellung der Studie eine sehr bereichernde Erfahrung. Am spannendsten war für mich zu sehen, dass der Praxisbezug zu den Betrieben gegeben ist. Für mich als Bauer ist das besonders wichtig. Die Ergebnisse kann jeder Biobauer für seinen Betrieb als Maßstab nehmen.

Haben Ihnen die Ergebnisse zu denken gegeben?

Auf jeden Fall! Auch wenn mich die Ergebnisse nicht wirklich überrascht haben. Die Zahlen sollten uns Biobauern ermuntern, jetzt etwas zu tun. Denn sonst laufen wir wieder in das Schema, aus dem wir aussteigen wollten. Damit der Biosektor nachhaltig ist, müssen unseren Höfen wirtschaftliche Perspektiven geboten werden. Bei jeder Milchabrechnung sollten wir uns den fehlenden Betrag vor Augen halten. Dieser wurde zum großen Teil durch unsere Familie mit unbezahlter Arbeit gedeckt. Das muss einem doch zu denken geben!

Wie können Sie als Biobauer diese Studie nutzen?

Was uns bisher fehlte, waren konkrete Zahlen. Nachdem im Januar 2019 bekannt wurde, dass Lidl und Bioland eine Absatzvereinbarung getroffen hatten, war mir schon klar, dass die Biobauern ein Gegengewicht bilden müssen. Doch dazu müssen wir mit einer einheitlichen Vorgehensweise auftreten. Die Grundlage dazu ist eine einheitliche Preisforderung. Mit der Studie haben wir dafür nun eine solide Referenz.

Und wie geht es jetzt weiter?

Aus meiner Sicht haben wir als Biobauern auch noch eine weitere Aufgabe: die Bündelung der Biomilch in einer Bio-Milcherzeugergemeinschaft. Diese muss deutschlandweit – oder besser noch europaweit – aktiv und vor den Molkereien angesiedelt sein. Sie bestimmt den Preis und regelt bei Bedarf die Menge, um eine Überproduktion zu verhindern. Den fairen Preis, unsere Erzeugungskosten, können wir jetzt dank dieser Studie benennen. Jetzt gilt es, auch die Kollegen von der Notwendigkeit einer starken Erzeugergemeinschaft zu überzeugen – denn für mich führt kein Weg daran vorbei. Auf geht's!!

Herr Vetter, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre zu den Kosten der Biomilcherzeugung in Deutschland.

 

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